Der ungebetene Gedanke

Düsteres literarisches Beitragsbild für den Prosatext „Der ungebetene Gedanke“: ein leerer, schmaler Flur bei schwachem grünlich-grauem Restlicht, eine halb geöffnete Tür und ein einzelner Schatten, der nicht eindeutig zu einer Person gehört. Entsättigte Anthrazit- und Graugrüntöne, feines analoges Korn, tiefe Schatten, still, rätselhaft und psychologisch unheimlich, ohne drastische Motive. Keine Schrift, kein Text, keine Typografie.

Niemand konnte sagen, wann es begonnen hatte.

Vielleicht mit einem Verdacht. Einer beiläufigen Bemerkung. Oder einem Blick, der eine Sekunde zu lange dauerte.

Zunächst war es nur ein Gedanke.

Unbedeutend. Beinahe lächerlich.

Doch Gedanken besitzen eine merkwürdige Eigenschaft. Je häufiger man sie hinterfragt, desto überzeugender erscheinen sie.

Aus Möglichkeiten werden Vermutungen. Aus Vermutungen Gewissheiten.

Irgendwann beginnt man, Beweise für etwas zu suchen, das möglicherweise niemals existiert hat.

Man interpretiert Schweigen als Zustimmung. Freundlichkeit als Täuschung. Zufälle als versteckte Botschaften.

Und während man verzweifelt versucht, die Wahrheit herauszufinden, verändert sich unbemerkt die eigene Wirklichkeit.

Das Beunruhigende daran?

Manchmal verliert ein Mensch nicht den Verstand.

Er folgt lediglich einem Gedanken, der niemals recht hatte. 

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