Die Verwaltung der Schuld

Eigenständiges literarisches Beitragsbild für den Prosatext „Die Verwaltung der Schuld“. Stil: Literatur im Halbdunkel, entsättigte Anthrazit- und Graugrüntöne, sanftes Restlicht, feines analoges Korn, tiefe Schatten, still, rätselhaft und düster, ohne drastische Motive. Symbolisches Motiv: ein ordentlich gefalteter Brief neben einem alten Schlüssel auf einem dunklen Tisch, ein schmaler Lichtstreifen, Atmosphäre von Verantwortung und verdrängter Schuld. Keine Schrift, kein Text im Bild.

Schuld lässt sich erstaunlich gut organisieren.

Sie wird verteilt, weitergereicht, begründet und gelegentlich sogar vererbt.

Manche Menschen tragen Verantwortung für Dinge, die sie niemals entschieden haben. Andere erklären ihre Entscheidungen zu unvermeidbaren Umständen.

Beides funktioniert.

Denn Schuld ist nicht ausschließlich eine Frage des Handelns.

Sie ist auch eine Frage der Deutungshoheit.

Wer bestimmt, was geschehen ist, bestimmt häufig auch, wer dafür verantwortlich gemacht wird.

Und manchmal wird ein Mensch so lange um Entschuldigung gebeten, bis er selbst glaubt, eine schuldig zu sein.

Comments

Schreibe einen Kommentar

Entdecke mehr von Tess Welter

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen